Charakterentwicklung, Trauma und der Schreibprozess

Zehn Jahre lang mindestens schreibe ich insgesamt schon an der Jürgen-Trilogie (mit Pausen bei Umzügen, persönlichen Krisen und sonstigen Hindernissen). Zehn Jahre lang entwickelt sich still und unermüdlich meine Figur Gigi, die ursprünglich vor allem als strukturgebendes Element gedacht war. Gigi hatte andere Pläne und wollte unbedingt gehört werden. Ihre Beziehung zu Lothar war so nicht geplant!

Als ich nach und nach begann, die Einzelteile für Band 1 der Jürgen-Trilogie zusammenzusetzen, stellte ich überrascht fest, wie viel von mir selbst in Gigi steckt. Damit meine ich nicht unbedingt die konkreten Ereignisse, sondern die Manifestation ihrer Traumata in Beziehungen, die ihr nicht guttun.

In meiner ersten Fassung der Glücksmaschinen war Gigis Geschichte dann auch genau das: Die Beschreibung einer toxischen Beziehung. Bis eine meiner Testleserinnen mir die Frage stellte: Warum wehrt Gigi sich nicht? Warum lässt sie sich alles gefallen?

Ich war zunächst einfach nur überrascht. Ganz ehrlich, ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass hier vielleicht der Bedarf nach mehr Tiefe besteht. Aber als ich den Text dann mit Blick auf diese Fragen wieder gelesen habe, fiel mir auf, dass überall im Buch Öffnungen, Anknüpfungspunkte dafür schon angelegt sind. Nein, Gigi ist nicht nur ein Opfer, das in einer glücklosen Beziehung festsitzt, weil sie nicht nein sagen kann. Lothar bedient etwas in ihr, sie hat etwas von der Beziehung, auch wenn sie sich darin verliert.

Es ist ambivalent, wie so oft…

Jedenfalls überarbeite ich jetzt mit ganz neuem Elan noch einmal die relevanten Szenen und bin überrascht, was alles darin steckt, wovon ich noch gar nichts wusste.

ChatGPTs Interpretation von Gigi

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert