Die – vielleicht, hoffentlich, leider – letzte Überarbeitungsphase ist abgeschlossen und ich habe zum ersten Mal seit Langem das ganze Werk von vorne bis hinten durchgelesen. Die beiden so unterschiedlichen ‚Stimmen‘ Gigi und Jürgen fügen sich ganz schön ineinander, obwohl ihre Erfahrungen und ihre Sicht auf das Leben völlig verschieden sind. Das sollte mich eigentlich nicht überraschen, denn so habe ich das Ganze immerhin selbst angelegt, aber es kommt mir trotzdem vor wie ein kleines Wunder 😉
Kategorie: Das Projekt
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Charakterentwicklung, Trauma und der Schreibprozess
Zehn Jahre lang mindestens schreibe ich insgesamt schon an der Jürgen-Trilogie (mit Pausen bei Umzügen, persönlichen Krisen und sonstigen Hindernissen). Zehn Jahre lang entwickelt sich still und unermüdlich meine Figur Gigi, die ursprünglich vor allem als strukturgebendes Element gedacht war. Gigi hatte andere Pläne und wollte unbedingt gehört werden. Ihre Beziehung zu Lothar war so nicht geplant!
Als ich nach und nach begann, die Einzelteile für Band 1 der Jürgen-Trilogie zusammenzusetzen, stellte ich überrascht fest, wie viel von mir selbst in Gigi steckt. Damit meine ich nicht unbedingt die konkreten Ereignisse, sondern die Manifestation ihrer Traumata in Beziehungen, die ihr nicht guttun.
In meiner ersten Fassung der Glücksmaschinen war Gigis Geschichte dann auch genau das: Die Beschreibung einer toxischen Beziehung. Bis eine meiner Testleserinnen mir die Frage stellte: Warum wehrt Gigi sich nicht? Warum lässt sie sich alles gefallen?
Ich war zunächst einfach nur überrascht. Ganz ehrlich, ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass hier vielleicht der Bedarf nach mehr Tiefe besteht. Aber als ich den Text dann mit Blick auf diese Fragen wieder gelesen habe, fiel mir auf, dass überall im Buch Öffnungen, Anknüpfungspunkte dafür schon angelegt sind. Nein, Gigi ist nicht nur ein Opfer, das in einer glücklosen Beziehung festsitzt, weil sie nicht nein sagen kann. Lothar bedient etwas in ihr, sie hat etwas von der Beziehung, auch wenn sie sich darin verliert.
Es ist ambivalent, wie so oft…
Jedenfalls überarbeite ich jetzt mit ganz neuem Elan noch einmal die relevanten Szenen und bin überrascht, was alles darin steckt, wovon ich noch gar nichts wusste.

ChatGPTs Interpretation von Gigi
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Erstes „Go“ der Testleser:innen
Ich bin es beruflich gewohnt, meine Texte aus der Hand zu geben und mit mehr oder weniger sinnvollen Korrekturen zurückzubekommen. Aber es fühlt sich vollkommen anders an, wenn es nicht um den Entwurf einer Pressemitteilung oder eines schnöden Fachartikels geht, sondern um einen Text, in dem sozusagen ein ganzer Teil meines Lebens steckt.
Jetzt bin ich dankbar sowohl für den Zuspruch als auch für die kritischen Anmerkungen! Manches habe ich wirklich nicht mehr gesehen, weil ich viel zu dicht dran war an der Geschichte. An anderen Stellen war ich nicht sicher, ob das so funktioniert (doch, tut es offenbar 😉 ). Und hier und da ging es einfach um den Fact-Check („So haben die in Münster damals nicht gesprochen!“). Auf jeden Fall hat das Buch gewonnen dadurch, dass es von aufmerksamen Leser:innen „ausprobiert“ wurde.
Nun also noch eine weitere Überarbeitungsphase – möglicherweise tatsächlich die letzte! Und langsam mache ich mir schon Gedanken um das Cover für den ersten Band der Trilogie!
